Wenn Begriffe unter den Hammer des Relativismus geraten

Ist die Würde des Menschen in Deutschland wieder antastbar?

Zitat aus kath.net-Beitrag (Vortrag von Kurienerzbischof Georg Gänswein zum Jahresempfang des Foyers „Kirche und Recht“): Sehr geehrte Damen und Herren! Dieser Ort und diese Stunde laden auf besondere Weise ein, nicht immer neue Themen ausfindig zu machen, sondern eher dazu, im geduldigen Dialog und in immer neuen Variationen darüber nachzusinnen, was unser Gemeinwesen in seinem Innersten zusammenhält. Eine ungefähre Skizze der Überlegungen, die ich Ihnen nun vortragen möchte, hatte ich bei meiner Zusage, die mir Erzbischof Stephan Burger, mein Heimatbischof, vor etwa einem halben Jahr abgerungen hatte, fast schon spontan im Kopf.

Nach einem Blick auf die Beiträge meiner Vorredner kann ich mich jetzt auch bestätigt fühlen, angefangen von den profunden Ausführungen Kardinal Lehmanns „Zum schiedlich-friedlichen Verhältnis von Staat und Kirche heute“, mit denen er die Reihe des Karlsruher Foyers „Kirche und Recht“ am 19. Juni 2007 begonnen hat, bis hin zu dem Vortrag im letzten Jahr von Professor Peter Dabrock, dem Vorsitzenden des Deutschen Ethikrates, zum Thema: „Die Würde des Menschen ist granularisierbar. Muss die Grundlage unseres Gemeinwesens neu gedacht werden?“

So komme auch ich als Deutscher und katholischer Priester, der an der römischen Kurie seinen Dienst tut, an dem Begriff der Menschenwürde nicht vorbei. Denn in diesem aus zwei Worten zusammengesetzten Begriff geben sich Religion und Recht gewissermaßen den Friedenskuss. Und wie könnte ich diesen wundersamsten Begriff unserer deutschen Verfassung gerade in dem Jahr übergehen, in dem das Grundgesetz seinen 70. Geburtstag feiert.

Da schockte mich dann auch nicht, dass es hier letztes Jahr hieß: „Die Würde des Menschen ist granularisierbar“, als Professor Dabrock seine brillante Analyse mit dem genannten Ausdruck des Soziologen Christoph Kucklick an dieser Stelle zuspitzte! Wörtlich genommen heißt das: Die Würde des Menschen ist nicht nur antastbar, sie lässt sich de facto auch zwischen unseren Fingern zu Granulat zerbröseln wie ein bröckeliges Stück trockener Erde. Warum schockt mich das nicht? Nun, aus der Geschichte wissen wir, dass der menschliche Leib quasi pulverisierbar ist, wie die Welt es vor 80 Jahren in den Vernichtungslagern der Nazis und den Gulags der Sowjets und ihren Schlachtfeldern exemplarisch erfahren musste – bis hin zu den Nuklearblitzen von Hiroshima und Nagasaki. Schließlich erfahren wir alle, dass der menschliche Körper irgendwann auch nach dem schönsten, friedlichsten und glücklichsten Leben zu Staub zerfallen wird. Wir erfahren es an unseren Verwandten, Freunden und an uns selbst. „Bedenke Mensch, dass du Staub bist, und wieder zum Staube zurückkehren wirst“ (vgl. Gen 3,19). Das ist die jährliche Mahnung des Aschermittwochs, in der die Liturgie der Kirche uns an unser irdisches Ende erinnert. Diese Mahnung ist eine Einladung zum Innehalten und zum Nachsinnen.

Der Mensch zerfällt. Er wird zu Erde oder Asche. Sein Körper ist pulverisierbar. Ist es dann auch seine Würde? – Was ist die Menschenwürde? Unser Grundgesetz scheint mit einem frommen Wunsch zu beginnen, einem nur ästhetisch verständlichen Satz, ja strenggenommen mit einer Falschaussage: „Die Würde des Menschen ist unantastbar“. Was bedeutet dieser Satz? Was folgt aus ihm? Und was, wenn die Würde angetastet wird? Und was macht man als Jurist unter diesen Umständen? … (Forts. siehe kath.net-Betrag)

Weitere Hinweise und Quellen

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